und Prostitution belastetes Milieu abgleiten. Die Kinder lernen feste Regeln des Zusammenlebens zu beachten. Streng in ihrer Forderung nach Einhaltung der Heimordnung, achtet Bertha Pappenheim gleichzeitig auf die liebevolle Zuwendung und Förderung für jedes einzelne Kind. Wöchentlicher Höhepunkt im Heim ist die Schabbat-Feier am Freitagabend.

Bald kommen zu dem Gebäude in der Taunusstraße weitere Häuser, unter anderem das heutige Haus in der Zeppelinstraße. Die rasche Heimerweiterung resultiert aus den Ereignissen des 1. Weltkriegs: Die Zahl der traumatisierten und verwaisten Minderjährigen wächst dramatisch an. Unter den angespannten wirtschaftlichen Verhältnissen gehen jedoch nur noch wenige Spenden ein. Die Versorgung mit Lebensmitteln kann teilweise aus dem eigenen Garten bestritten werden, Zuwendungen aus dem Ausland helfen zu überleben. Während der Weimarer Republik

 

  verbessert sich die Situation des Heims, doch im Zuge der Weltwirtschaftskrise ist die Finanzierung des Heimbetriebes erneut gefährdet. Antisemitismus wird nun auch in Neu-Isenburg spürbar. Mit der Wahl Hitlers zum Reichskanzler 1933 beginnt die Zerstörung von Bertha Pappenheims Lebenswerk.

Das Ende im Nationalsozialismus

Am 28. Mai 1936 stirbt Bertha Pappenheim nach längerer Krankheit im Alter von 77 Jahren. Ihre Schülerin Helene Krämer führt das Heim bis zu ihrer Emigration 1941 weiter. Am 31. März 1942 wird das Heim zwangsweise aufgelöst. Die Bewohnerinnen werden in Ghettos verschleppt und in Vernichtungslagern ermordet. Auch die letzte Heimleiterin, Sophie Sondhelm, entgeht diesem Schicksal nicht. Sie wird 1943 nach Theresienstadt deportiert und von dort 1944 nach Auschwitz.

 

   
Seite 1 2 3
© Jüdisches Museum© Jüdisches Museum© Jüdisches Museum
© Jüdisches Museum
© Jüdisches Museum